• Der Eigenmietwert muss abgeschafft werden!

Der Eigenmietwert muss abgeschafft werden!

10.11.2017     ANSGAR GMÜR, Direktor und Chefredaktor HEV Schweiz

Vor knapp einem Jahr, am 10. November 2016, durfte der HEV Schweiz mit Stolz die HEV-Petition «Eigenmietwert abschaffen» im Rahmen eines Volksfests an die Bundesversammlung übergeben. In gerade einmal vier Monaten hatten über 145 000 Personen die Petition unterzeichnet und damit ein deutliches Zeichen gegen die Eigenmietwertbesteuerung gesetzt.

Als Hauptanlaufstelle für Wohneigentümer ist der Schweizerische Hauseigentümerverband täglich mit Fragen zur Eigenmietwertbesteuerung konfrontiert. Die Erhöhung des steuerbaren Einkommens durch einen fiktiv berechneten Nutzen des oftmals mühsam ersparten Eigenheims empfinden die meisten Eigentümer als unfair. Das verfügbare Einkommen wird durch die Steuerbelastung massgeblich reduziert. Insbesondere bei Eintritt ins Rentenalter ist die Bestrafung dann offensichtlich: Das verfügbare Einkommen sinkt, während die Eigenmietwerte konstant hoch bleiben oder gar erhöht werden. Nicht selten müssen Wohneigentümer jeden Rappen umdrehen, um ihr Eigenheim halten zu können – oder gar einen Verkauf in Betracht ziehen. Das Eigenheim als Altersvorsorge verliert an Attraktivität und wird zur finanziellen Belastung.

Schulden abzahlen lohnt sich nicht

Durch die niedrigen Zinsen ist eine Abzahlung des Wohneigentums unattraktiv geworden, was aus volkswirtschaftlicher Sicht kritisch zu betrachten ist. Nicht umsonst nimmt die Schweiz im Ranking der Privatverschuldung einen Spitzenplatz ein. Insbesondere die Hypotheken werden hoch gehalten, um die steuerliche Belastung des Eigenmietwerts durch den Zinsabzug zu kompensieren. Eine Spirale, die bedeutend Fahrt aufgenommen hat und keinesfalls gefördert werden sollte. 

Der HEV Schweiz bleibt dran

Auch diese Entwicklung ist ein Grund dafür, dass die Interessen der Wohneigentümer im Parlament stärker an Bedeutung gewonnen haben. Nachdem ein Vorstoss des HEV-Präsidenten Hans Egloff Anfang 2017 durch den Ständerat versenkt wurde, war das Unverständnis gross. Das vorgeschlagene Wahlrecht wäre eine ideale Möglichkeit gewesen, um Wohneigentümern eine individuelle Lösung zu ermöglichen. Wegen des Drucks der HEV-Petition war das Parlament jedoch gefordert, eigenständig tätig zu werden. Die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben reichte daher eine parlamentarische Initiative ein, die einen generellen Systemwechsel vorsieht. Die Aufhebung der Eigenmietwertbesteuerung unter gleichzeitiger Aufhebung der Abzugsmöglichkeiten fand auch bei der Schwesterkommission Zustimmung. Nun ist die ständerätliche Kommission erneut am Zuge und muss die Forderung der sehr offen gehaltenen Kommissionsinitiative in einen konkreten Gesetzesartikel umformulieren. Dafür hat sie zwei Jahre Zeit, bevor der Gesetzesentwurf zur Beratung in die Räte geht. Die Weichen für eine Aufhebung der Eigenmietwertbesteuerung sind also gestellt. Der Weg, den es jetzt zu beschreiten gilt, ist aber noch lang und steinig. Der HEV Schweiz wird den weiteren Verlauf daher genauestens im Auge behalten und für Sie am Ball bleiben.

NR Hans Egloff, Präsident des HEV Schweiz
NR Hans Egloff
Präsident des HEV Schweiz
SR Brigitte Häberli-Koller, Vizepräsidentin des HEV Schweiz
SR Brigitte Häberli-Koller
Vizepräsidentin des HEV Schweiz
SR Joachim Eder, Ausschuss-Mitglied des HEV Schweiz
SR Joachim Eder
Ausschuss-Mitglied des HEV Schweiz