• Mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben

Mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben

07.12.2017    

Anlass der Gruppe «Haus- und Grundeigentum» vom 6. November 2017 - «Die rasante und tiefgreifende Transformation in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fordert neue Lösungsansätze», so lautete die Kernaussage von Kantonsrat Walter Locher, Präsident des Hauseigentümer-Verbandes Kanton St.Gallen (HEV) am diesjährigen Anlass der Gruppe «Haus- und Grundeigentum» des Kantonsrats. Gastreferent war Giorgio Contini, welcher einen Einblick in seine Führungsgrundsätze als Trainer der ersten Mannschaft des FC St.Gallen bot.

Vor der November-Session treffen sich die Mitglieder der Gruppe «Haus- und Grundeigentum» des Kantonsrats jeweils zu einer Lagebeurteilung. Mit aktuell 86 Mitgliedern ist es die grösste Interessengruppe im st.gallischen Parlament. Walter Locher betonte in seiner Ansprache, dass derzeit eine rasante und tiefgreifende Transformation in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Gang sei. Disruption sei eine schöpferische Zerstörung, welche die Verhältnisse radikal verändern könne. Parteien, Verbände und auch die Wirtschaft versuchten zunächst leider oft, neue Bewegungen und unbequeme Entwicklungen oder Ideen herunter zu spielen, den Stil zu bemängeln oder ihre eigenen Programme um ähnliche Inhalte zu erweitern. Die Wähler goutierten dies aber immer weniger.

Ostschweiz steht vor Herausforderungen
Beim Umgang mit einigen politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen sei genau das festzustellen. Unangenehmen Feststellungen werde nicht ausreichend klar und entschieden begegnet. Obwohl die Spital- und Gesundheitskosten immer mehr aus dem Ruder laufen, reagiert die Politik einfach mit Prämienerhöhungen und -verbilligungen sowie einem Ausbau der Spitalangebote. Und wenn die Ostschweiz immer mehr an Wirtschaftskraft verliere, so suche man in der St.Galler Regierung primär nach Mitteln und Wegen, um aus dem schweizerischen Finanzausgleich noch mehr Geld zu holen. Es häuften sich auch die Anfragen von Mitgliedern des HEV, weil der Staat über eine aggressive Aufwertung der Liegenschaften zusätzliche Steuereinnahmen generieren wolle, statt das Ausgabenwachstum zu begrenzen. Hinzu komme, dass es für immer weniger junge Menschen möglich werde, Eigentum zu erwerben, weil die Eigenmittelvorschriften immer strenger und die Hürden für den Erwerb von Wohneigentum auch deshalb immer höher werden. In Exekutive und Verwaltung hielten schliesslich vermehrt Umverteiler Einzug. Gerade deshalb müssten bei den anstehenden Richtungswahlen in den Städten die bürgerlichen Kräfte zusammenhalten und ihre Vertreter tatkräftig unterstützen.

Zentrale Herausforderungen aus Sicht des HEV
Beim neuen kantonalen Planungs- und Baugesetz gebe es Kinderkrankheiten, so etwa das Moratorium zum Erlass von Teilzonenplänen. Es müsse bei der Umsetzung vermieden werden, dass die Praxisentwicklung in der Verwaltung den Geist des liberalen Gesetzes verwässere. Nun seien die Gemeinden gefordert. Bei der Konkretisierung des neuen Gesetzes seien parallel auch die Erschliessungs- und Verkehrsanliegen ausreichend zu gewichten. Denn zwischen 1999 und 2014 hätten die Staustunden von 3000 auf 18 000 Stunden pro Jahr zugenommen. Leistungsfähige Infrastrukturen für Schiene und Strasse würden auch künftig unentbehrlich sein, denn gute Erreichbarkeit sei für die Liegenschaften von Haus- und Grundeigentümern direkt wertbeeinflussend. Die erst kürzlich von der Regierung verabschiedete Gesamtverkehrsstrategie sei zwar in der Analyse in vielen Punkten richtig, das Fazit und die abgeleiteten regionalen Strategien seien jedoch mehr als ernüchternd. Die Verwaltung verharre noch immer in den alten Denkmustern, überall werde der öffentliche Verkehr bevorzugt, man lasse sich von Ideologie statt Innovation lenken. Wichtige Projekte für die Strasse würden nicht ausreichend priorisiert oder nicht einmal erwähnt. Zu nennen sind die Engpassbeseitigung A1 (3. Röhre/Teilspange) in der Region St.Gallen, der Autobahnanschluss Witen in Rorschach, eine Tunnellösung für Rapperswil-Jona sowie die Autobahnverbindung zwischen der Schweiz und Vorarlberg. Diese Vorhaben müssten von der St.Galler Regierung stärker priorisiert und konsequenter verfolgt werden.

Vertrauen schenken, die Füsse auf dem Boden lassen
Giorgio Contini gab in seinem Gastreferat Einblick in seine Arbeit als Trainer der ersten Mannschaft des FC St.Gallen. Er betonte dabei, wie wichtig es sei, einem Team Vertrauen zu schenken, gleichzeitig aber mit konstruktiver Kritik an Verbesserungen zu arbeiten. Gerade nach einer Niederlage müsse der Trainer als Beschleuniger und Aufbauer wirken. Jedes Training lasse sich heute per Video auswerten, die Belastung der Spieler könne über Daten aus Sensoren analysiert werden. «Wer viel misst misst auch Mist», bemerkte Giorgio Contini, daher sei das Filtern und die Interpretation dieser Informationen wesentlich. Den Unterschied zwischen einem guten und weniger erfolgreichen Trainer machten aber Sozialkompetenz und Kommunikation. Soziale Basisarbeit habe daher einen grossen Anteil an seiner Arbeit als Trainer. Gemeinsame Essen und Teamevents, aber auch Verhaltensregeln und ein gemeinsamer Kodex seinen wichtig. Auch die Kommunikation gegen innen zur Mannschaft wie auch gegen aussen zu Medien, Fans und externen Einflüssen (Spielerberater, Familien) sind eine zentrale Aufgabe des Trainers. Auf die Frage, was ihn denn derzeit am meisten beschäftige, meinte Giorgio Contini: «Dass der Kopf einem selbst nicht das Bein stellt». Mentale Stärke könne einer Mannschaft noch mehr Kontinuität bringen. Denn wenn das ganze Team Fehler ausbaden helfe, so liessen sich auch Spiele gegen stärkere Gegner gewinnen. «Work hard, dream big» sei sein Motto, man müsse dabei aber beide Füsse auf dem Boden behalten.

(Da)